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FAIRTRADE und Bio
Das FAIRTRADE-Gütesiegel ist in erster Linie ein Sozialsiegel und kein Umweltsiegel. Dennoch wird mit den Umweltkriterien in den FAIRTRADE-Standards das Ziel verfolgt, sämtliche landwirtschaftlichen FAIRTRADE-Produkte ressourcenschonend und umweltverträglich anzubauen. FAIRTRADE arbeitet daran, die Produzentenorganisationen dort abzuholen, wo sie in ihrer Entwicklung gerade stehen und sie schnellstmöglich in das FAIRTRADE-System zu integrieren. Zu hohe Bio-Richtlinien grenzen dabei aber gerade die Ärmsten aus.
Denn „Bio“ stellt sehr hohe Anforderungen an die Bodenbeschaffenheit und das unmittelbare Umfeld der Produktionsfläche, an die Art wie die Produkte produziert werden, an den Einsatz von Dünger, Unkraut-Vertilgungsmitteln sowie an die Ernte und Weiterverarbeitung der Produkte. In der Umstellungsphase von konventioneller auf „Bio“-Produktion, die zwischen sechs Monate und drei bis vier Jahre dauern kann, entsteht oft ein erheblicher Ertragsverlust. Außerdem kann nicht jeder Kleinbauer oder jede Kleinbäuerin biologische Landwirtschaft betreiben, zum Beispiel dann nicht, wenn unmittelbar in seiner Nachbarschaft mit chemischen Pestiziden oder Herbiziden gearbeitet wird und die notwendige Pufferzone zwischen „Bio“ und „nicht Bio“ fehlt. Zudem muss für die Umstellung auf „Bio“ auch der nötige Absatz gewährleistet sein.
Fest steht: Oft haben Kleinbauern im FAIRTRADE-System einfach nicht die Ressourcen, das Kapital, die Expertise und die Zeit, um von Anfang an auf „Bio“ zu setzen. Würde der Faire Handel von Anfang an mit „Bio“ verknüpft, würden damit viele der ärmsten Bauernfamilien vom Fairen Handel ausgeschlossen. Deshalb verfolgt FAIRTRADE eine Strategie, die Produzentenorganisationen bei der Umstellung auf nachhaltige Landwirtschaft fördert. Zuerst informiert FAIRTRADE über das Marktpotential für Bio-Produkte und über den konkreten Umstellungsprozess. Für das „Bio“-Produkt muss den Produzentenorganisationen ein von FAIRTRADE festgelegter Bio-Aufschlag bezahlt werden. Der höhere Preis stellt sicher, dass die anfallenden Mehrkosten bei der „Bio“-Produktion entlohnt werden.
„Seit der Umstellung auf Bio ernten wir geringere Mengen als beim konventionellen Anbau, doch die verkaufen wir zu besseren Preisen und außerdem brauchen wir keine teuren chemischen Düngemittel mehr zu kaufen.“ Kaffeebauer Maorino Fernandez Rosalesl (links), Huatusco Mexiko
Gleichzeitig sehen viele Produzentenorganisationen mit eigenen Augen, wie das Ökosystem in ihrem Umfeld unter Holzrodung, intensiver Landwirtschaft mit ihren chemischen Belastungen, unter Monokulturen und der Einführung genetisch manipulierter Pflanzen leidet, die den Bauernfamilien oft von den großen multinationalen Agrar-Unternehmen aufgezwungen werden.
„Der Anbau von FAIRTRADE-Bio-Baumwolle ist in erster Linie besser für meine Gesundheit und die Gesundheit aller Bauern und ihrer Familien. Früher war es für mich wegen den Chemikalien gefährlich, Baumwolle anzubauen. Ich könnte meine Kinder nicht stillen, wenn ich konventionelle Baumwolle anbauen würde. Außerdem können durch den Bio-Anbau jetzt auch Frauen ihr eigenes Einkommen erwirtschaften. Das ist sehr wichtig für mich.“ DiabriDiabri Adama, Baumwollbäuerin aus Burkina Faso
Nachhaltigkeit und schonender Umgang mit der Natur ist überdies traditioneller Bestandteil vieler Kulturen, denen die FAIRTRADE-Bauern und ihre Familien angehören. So umfasst die Kultur vieler ländlicher Bevölkerungsgruppen in den Entwicklungsländern neben den Erntedank-Festen, die auch wir in Europa kennen, weitere Rituale, Zeremonien und Feste, bei denen Respekt vor und Schutz der Natur im Mittelpunkt stehen. Für diese Produzentenorganisationen passt der Bio-Anbau damit zu ihrem gesellschaftlichen Auftrag und ihrer Pflicht, die Natur auf eine Weise zu nutzen, die auch späteren Generationen ein menschenwürdiges Leben erlaubt.
"Die Naturressourcen werden geschont. Das ist der gesamten Region um Jaris zugute gekommen. Früher benutzten die Bauernfamilien Benzin-getränkte Autoreifen, mit denen sie in den Feldern an Feuerstellen den Zucker verkochten. Um an Benzin zu kommen, fällten sie große Bäume, die sie verkauften. Heute wird hier aufgeforstet. Außerdem haben die Bauern und Bäuerinnen in Feuerstellen investiert. Wir arbeiten nun mit altem Holz – alles organisch“ Zuckerbauer Alberto Hernandez, Asoprodulce, Costa Rica.
Weiterführende Links:
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