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FAIRTRADE und Genossenschaften
Das System der Kleinbauern-Kooperativen bzw. Genossenschaften ist für vom Weltmarkt benachteiligte Produzentenorganisationen in Afrika, Lateinamerika und Asien von besonderer Bedeutung. Sie sind wichtige Elemente der Wirtschaft und der Gesellschaft: Durch die stärkere Verhandlungsposition von Genossenschaften gegenüber multinationalen Konzernen ermöglichen sie Kleinbäuerinnen und –bauern nationale und internationale Marktzugänge. Darüber hinaus bieten sie Unterstützung in Form von Serviceleistungen wie Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten zur Verbesserung von Produktivität und Produktqualität und erleichtern den Kleinbauernfamilien den Zugang zu Krediten zur Finanzierung von betrieblichen Anschaffungen. Deshalb stehen bei FAIRTRADE insbesondere Bauernfamilien im Zentrum, die sich in Kleinbauern-Genossenschaften organisiert haben.
Selbsthilfe, Selbstverantwortung und Selbstverwaltung – die „drei S“ des genossenschaftlichen Handelns – werden auch im Fairen Handel groß geschrieben. Genossenschaften sind in vielen Ländern wichtige Elemente der Wirtschaft und der Gesellschaft, sie sichern Marktzugänge und Marktpositionen national und international. FAIRTRADE arbeitet zum großen Teil mit solchen genossenschaftlich organisierten Produzentenorganisationen: Rund 70 Prozent der Produkte mit dem FAIRTRADE-Gütesiegel stammen von Kleinbauern-Kooperativen. Wichtige Produkte wie Kaffee, Kakao oder Baumwolle werden ausschließlich von FAIRTRADE-zertifizierten Kleinbauernkooperativen bezogen.
Verankerung dieser Grundsätze in den FAIRTRADE-Standards
Diese Grundsätze genossenschaftlichen Handels unterstreichen die Ziele des fairen Handels und sind fest in den FAIRTRADE-Standards verankert. Grundlage für das nachhaltige Bestehen der Genossenschaften ist die Einhaltung der im FAIRTRADE-System festgelegten Regelungen. Die Mitglieder sind verpflichtend an allen wichtigen Entscheidungen direkt und demokratisch beteiligt, wie z.B. über die Verwendung der FAIRTRADE-Prämie für Soziales, Bildung, Infrastruktur und Umwelt. In Notsituationen wie nach Naturkatastrophen oder Missernten können die Gremien auch entscheiden, die Prämie an die einzelnen Produzentenfamilien als Nothilfe auszubezahlen.
Der sogenannte Entwicklungsplan wiederum ist ein Arbeitsplan für soziale Entwicklung und bietet den Produzentenorganisationen die Möglichkeit, ihre Entwicklung selbst zu steuern und ihre Zukunft nach eigenen Bedürfnissen zu gestalten. Auf diese Weise nützt die Stärkung und Weiterentwicklung von Kooperativen Strukturen der gesamten lokalen Gemeinschaft.
Kleinbäuerinnen und -bauern und ihre nationalen und kontinentalen Netzwerke haben sind zudem gleichberechtigte Teilhaber des Fairtrade Systems: Sie verfügen in der Mitgliederversammlung von Fairtrade International über einen Stimmanteil von 50 Prozent.
Gemeinsam mehr erreichen
Die erfolgreiche Zusammenarbeit mit genossenschaftlich Organisierten Partnern im Norden und im Süden sowie die Stärken gemeinschaftlichen Wirtschaftens beweist die Erfolgsgeschichte der 1977 gegründeten bolivianischen Kakaobauern-Genossenschaft El Ceibo: „Als El Ceibo gegründet wurde lag der Weltmarktpreis zwar relativ hoch, aber die Leute verkauften an ZwischenhändlerInnen, die ihnen viel weniger bezahlten. Seit wir mit alternativen Handelsorganisationen zusammenarbeiten, hat sich die wirtschaftliche Situation für die ProduzentInnen beträchtlich verbessert“, schildert ein Vertreter der Kooperative. 1987 erhielt die FAIRTRADE-zertifizierte Genossenschaft den ersten von insgesamt vier Krediten von der Entwicklungsgenossenschaft Oikocredit, die in Österreich und anderen Ländern im Norden sehr eng mit FAIRTRADE zusammenarbeitet.
Dieses Kapital wurde eingesetzt, um die Kakaoproduktion zu verbessern und ein Vertriebsnetz über den Fairen Handel aufzubauen. Nach Rückzahlung des letzen Darlehens im Jahr 2009 ist El Ceibo heute wirtschaftlich eigenständig und zählt zu den wichtigsten Lieferanten für fair gehandelten Bio-Kakao, der u.a. auch Zutat für zahlreiche in Österreich erhältliche FAIRTRADE-Produkte ist, z.B. wie Schokoladen oder schokolierte Nüsse.
