Inhaltsbereich: Nahrungmittelspekulation
Nahrungsmittel als Spekulationsobjekt
Die Kosten für lebensnotwendige Grundnahrungsmittel wie Mais, Weizen oder Zucker, haben Anfang 2011 einen Rekord erreicht. Die UNO drängt auf eine schärfere Regulierung der Rohstoffmärkte, um Spekulationen mit Grundnahrungsmitteln einzudämmen.
Der Spekulation müsse ein Riegel vorgeschoben werden, forderte auch der Chef der UNO-Organisation für Landwirtschaft und Ernährung (FAO), Jacques Diouf Anfang Februar 2011[1]. Die Preise würden in den kommenden Monaten voraussichtlich auf diesem hohen Niveau bleiben, warnt die FAO[2].Die Marktderegulierung seit 1999 habe ein Umfeld geschaffen, das die reine Spekulation ermögliche. Hier seien Korrekturen gefordert, um die unbegrenzte Spekulation und daraus folgende Preisschwankungen zu verhindern[3].
Während an den Märkten Investoren Rohstoffe als lohnende Anlageziele entdeckt haben, leiden insbesondere BewohnerInnen der Entwicklungsländer unter den Folgen der steigenden Lebenshaltungskosten. In den reichen Industrienationen fallen diese Preisschwankungen weniger ins Gewicht, weil hier nur ein geringer Teil des Einkommens für Lebensmittel ausgegeben wird. In den ärmsten Ländern, in denen die Menschen 80 Prozent ihres Geldes und mehr für Essen ausgeben, sind selbst kleine Preissteigerungen katastrophal. Die FAO schätzt die Zahl der Hungernden oder Unterernährten weltweit auf 900 Millionen Menschen, durch die steigenden Nahrungsmittelpreise hungern seit Juni 2010 zusätzlich 45 Mio. Menschen[4].
„Es kann nicht sein, dass alle dabei zusehen, wie enorme Spekulationsgewinne auf Kosten von Millionen ärmerer Menschen geschlagen werden“, so FAIRTRADE-Geschäftsführer Hartwig Kirner. FAIRTRADE fordert daher, dass die Politik das Problem steigender Lebensmittelpreise ganz oben auf die Agenda setzt und ein konkretes Maßnahmenpaket schnürt. Eine generelle Regulierung des Terminhandels mit Nahrungsmitteln und Rohstoffen beispielsweise bei Ausübung von Marktmacht an den Terminbörsen muss eingedämmt und beaufsichtigt werden. „Auch die Diversifikation des Anbaus von Grundnahrungsmitteln muss gefördert werden, weil beispielsweise gerade die Konzentration von Zucker- oder Kakaoproduktion auf wenige Länder den Weltmarkt besonders abhängig von Ernteausfällen macht“, so Kirner weiter.
Auch der Kaffeepreis lag mehr als zehn Jahre lang im Keller. Die 25 Millionen Kaffeebauern und -bäuerinnen verzweifelten fast daran[5]. Hunderttausende, vom Regenwald in Peru bis hin zu den steilen Hängen des Kilimandscharo, mussten ihre Farmen aufgeben. Seit 2008 scheint sich das Blatt zu wenden. Die vergangenen Wochen stieg der Preis für die Sorte Arabica auf den höchsten Wert seit über 13 Jahren. Der jüngste Preisanstieg ist gut für die Kleinbauern-Kooperativen, sofern die Kaffeebohnen noch ihnen gehören. Für andere kann der Preisschub aber auch das Aus bedeuten, falls sie im Voraus Kaffee zu tiefen Preisen als Termingeschäft verkauft haben.
Gerade in Zeiten hoher Rohstoffpreise ist es wichtig, durch den Ausbau des FAIRTRADE-Produzenten-Netzwerkes für Stabilität und Fairness den Kleinbauern-Kooperativen gegenüber einzutreten. Andernfalls besteht die Gefahr, dass die Rohstoffspekulanten und nicht die Kleinbauern-Kooperativen die eigentlichen Profiteure dieser Entwicklung sind. Lokale BeraterInnen arbeiteten in Asien, Afrika und Lateinamerika intensiv daran, die FAIRTRADE-Kooperativen in diesen unsicheren Zeiten zu unterstützen und helfen dabei, die Marktposition und Verhandlungsstrategien gegenüber Zwischenhändlern zu verbessern, eigenes Saatgut zu entwickeln und die Produktion zu diversifizieren. Die zusätzlich gezahlte FAIRTRADE-Prämie wird von den Produzentenorganisationen für soziale Projekte verwendet, wie dem Bau einer Schule, die Einrichtung von Kleinkreditgemeinschaften, der Aufbau von sanitären Anlagen, Gesundheitsstationen oder die Verbesserung des Straßen- und Wegenetzes in entlegenen Dörfern. Eine verbesserte Infrastruktur erhöht die Effektivität der landwirtschaftlichen Arbeit und sichert so zusätzlich Nahrung und Existenz.
[1] www.tagesschau.de/fao118.html
[2] m.ftd.de/artikel/60007124.xml
[3] www.tagesschau.sf.tv/Nachrichten/Archiv/2011/02/04/International/FAO-will-Spekulation-mit-Agrar-Rohstoffen-eindaemmen
[5] www.tagesspiegel.de/wirtschaft/millionen-von-kaffeebauern-stehen-vor-dem-ruinweltmarktpreise-fallen-seit-jahren-erholung-ist-nicht-in-sicht/347152.html
