Engagement im Porträt

Veränderung beginnt mit dem Einsatz eines einzelnen Menschen. Wer für eine Sache mit ganzem Herzen einsteht, findet rasch andere, die sich dafür begeistern lassen. Hinter jeder FAIRTRADE-Gemeinde stecken Geschichten engagierter Helferinnen und Helfer, die den fairen Handel zu dem machen, was er ist – einer vielseitigen Idee, die man im Alltag leben kann. Wir haben mit drei Frauen gesprochen, die sich in ihrer Gemeinde im FAIRTRADE-Arbeitskreis engagieren.

Drei Fragen an Birgit Winkler

Seit gut fünf Jahren, unter anderem in der FAIRTRADE-Gemeinde Henndorf, seitdem diese vor drei Jahren ausgezeichnet wurde. Auf Grund meiner Tätigkeit bei der Gesunden Gemeinde sind die Themen gesunde Ernährung und gesunde Lebensmittel immer präsent. Da ist der thematische Sprung hin zum fairen Handel kein allzu großer: Wenn etwas regional nicht verfügbar ist, dann sollte man es fair gehandelt kaufen.

Da gab es tatsächlich einige. Beispiele dafür sind unter anderem: Ein FAIRTRADE-Picknick am Wallersee oder eine Bananenverkostung am Hauptplatz, bei der lustige Fotos entstanden sind. Es gab einige Male Frühstücke in der Bibliothek, bei denen FAIRTRADE-Produkte verwendet wurden. Außerdem hatten wir ein Event, das wir „Nimm dein Häferl mit“ nannten und dabei ist der Name Programm gewesen. Wir haben am Hauptplatz FAIRTRADE-Kaffee an alle ausgeschenkt, die ihre Häferl zum Stand mitgebracht haben.

Es sind immer wieder nette und interessante Gespräche, die wir im Rahmen dieser Veranstaltungen mit den Henndorferinnen und Henndorfern über das Thema FAIRTRADE führen. Besonders beliebt ist unsere Valentinsaktion, bei der wir FAIRTRADE-Rosen an die Bürgerinnen und Bürger verschenken.

Wir holen die Ausstellung „Make Fruit Fair“ nach Henndorf. In Kooperation mit Südwind Salzburg, der Bibliothek Henndorf und der MMS Henndorf wird diese Ausstellung Anfang September 2019 in der Bibliothek Henndorf zu sehen und von 16. bis 20. September in der MMS Henndorf im Rahmen des Unterrichts für alle Schülerinnen und Schüler zugänglich sein.

Drei Fragen an Bernhard Berger

Ich bin bereits sieben Jahre dabei und setze mich für die Bewusstseinsförderung innerhalb der Gemeinde ein und dafür, dass FAIRTRADE-Produkte verwendet werden und leicht verfügbar sind.

Ich habe öfters im Gemeinderat Schokolade verteilt, einmal wurde ein FAIRTRADE-Kuchen gebacken und es gab eine Fairtrade-Modenschau.

Da gab es einige schöne Veranstaltungen, aber am bislang tollsten fand ich die diesjährige Modenschau.

Drei Fragen an Petra Oberrauner

Die Stadt Villach ist seit Jahrzehnten von einer sehr ambitionierten Energie- und Umweltpolitik geprägt. Dabei nimmt das Thema ökosoziale Beschaffung einen besonders hohen Stellenwert bei uns ein. Den Schritt in Richtung FAIRTRADE zu gehen war einfach konsequent und gehörte zu einer meiner ersten Aktivitäten als Energie- und Nachhaltigkeitsreferentin.

FAIRTRADE im Speziellen aber generell nachhaltige Beschaffung ist als Thema bei den Menschen angekommen. Es herrscht ein merklich anderes Bewusstsein als 2016, es wird bewusster entschieden. Wir haben auch nach wie vor sehr ambitionierte Partner, wie das Klimabündnis und den Weltladen, die aktiv mitgestalten. Besonders gefreut hat es mich, dass sich die Volksschule „Untere Fellach“ dazu entschieden hat, FAIRTRADE-School zu werden.

Wir haben am Biofest einen Infostand zum Thema fairer Handel. Hier liegt der Schwerpunkt auf der Vermeidung von Einweg-Plastik, wo wir zeigen wie es geht – natürlich mit FAIRTRADE-Baumwolltaschen. Daneben gibt es noch eine FAIRTRADE-Modenschau und Infos rund um das Thema.Beim Energie- und Umweltpreis der Stadt Villach wurde ab 2019 das Thema FAIRTRADE als eigene Kategorie eingeführt. Wir freuen uns auf viele eingereichte Projekte, die zeigen, wieviel Innovationskraft in unseren Bürgerinnen und Bürgern aber auch in Unternehmen und Start-ups steckt.

Drei Fragen an Martina Laschtowiczka

Ja, denn die letzten Jahrzehnte lang hat in Österreich niemand auf irgendein Lebensmittel verzichten müssen. Es war alles aus aller Welt ständig verfügbar. Plötzlich wird klar, wie wichtig die regionale Lebensmittelversorgung der Bevölkerung ist. Ich hoffe, dass dieses Wachrütteln anhält und unsere Konsumentinnen und Konsumenten auch nach der Krise heimische Produkte „fair“ einkaufen. Mit jedem Griff zu regionalen Produkten, geben sie einen klaren Produktionsauftrag an uns Bäuerinnen und Bauern und als Zusatznutzen wird auch noch der Lebensraum für alle erhalten.

Der Zusammenhang ist einfach hergestellt. Wir alle müssen unsere Lebensgrundlagen schützen und wertschätzen. Nur durch faire Preise ist es möglich, dass weder Menschen, noch Tiere, noch Böden ausgebeutet werden. Mit FAIRTRADE setzen wir ein Zeichen für unsere Solidarität mit Bauernfamilien in aller Welt!

Das Potenzial sehe ich vor allem in den kleinen Strukturen. Das betrifft einerseits die verstärkte Direktvermarktung unserer Lebensmittel und andererseits überall dort, wo auf heimische Produkte nicht zurückgegriffen werden kann, die Unterstützung von FAIRTRADE-Produkten und damit die Stärkung vieler Kleinbauernfamilien aus aller Welt, aber auch den Einkauf von regional angebotenen Dienstleistungen und regional erzeugten Waren. So sind zum Beispiel unsere Handwerksbetriebe wahre Profis. Dieser Mehrwert für uns alle sollte noch stärker zur Geltung kommen. Wenn die Menschen dort arbeiten können, wo sie leben, kann Kreislaufwirtschaft, Regionalität und Klimaschutz gelingen.

Drei Fragen an Ute Reisinger

Weil bio, regional und FAIRTRADE zusammengehört. Alle Bauernfamilien auf der Welt wollen dasselbe – nachhaltig produzieren und von dem, was sie machen, leben können. Dieser Thematik eine gute Plattform zu bieten, war mir ein Anliegen. Darum bin ich zu unserem Bürgermeister gegangen und habe das angesprochen und damit glücklicherweise offene Türen eingerannt.

Es ist ehrliches Interesse da. Die Menschen möchten wissen, was das jetzt heißt und was dieser Schritt, dieses Bekenntnis zum fairen Handel bedeutet. Da kann man ansetzen und positive Entwicklungen fördern. Beispielsweise haben wir gemeinsam mit einem Röster einen eigenen Stadt Melk-FAIRTRADE-Kaffee kreiert. Der wird nun am Gemeindeamt getrunken und es gibt ihn auch zu kaufen.

FAIRTRADE-Produkte sind schon gut verfügbar in Melk, es geht aber immer noch mehr, wenn man kreativ ist und das Gespräch sucht. Wir wollen beispielsweise fairen Kakao für die Schulmilch in der Stadt etablieren. Außerdem sind Veranstaltungen im Kulturprogramm geplant, wo das Thema mitkommuniziert werden soll. Auch eine Kooperation mit der Organisation Südwind ist geplant, die Kindern das Leben von Kleinbauernfamilien in Afrika, Asien und Lateinamerika näherbringen soll. Die Gespräche laufen bereits.

Drei Fragen an Michaela Graf

Es ist toll zu sehen, wie gut dieses Thema angenommen wird. Wir hatten in diesem Jahr 20 Veranstaltungen, die sich mit FAIRTRADE in unterschiedlicher Art und Weise auseinandergesetzt haben. Besonders toll war unser Ideenwettbewerb, für den es super Einreichungen gegeben hat.

Wir hatten beispielsweise eine heimische Baumstammscheibe, auf der das FAIRTRADE-Logo aus bemalten Kaffeebohnen zu sehen war. Kinder aus der Neuen Mittelschule Stegersbach haben ein eigenes Video gedreht und sich darin eingehend mit dem Thema fairer Handel auseinandergesetzt. Ein ganz origineller Beitrag kam auch von einer Familie, die mit ihren Töchtern eine FAIRTRADE-Maschine entworfen hat – diese verwandelt in Handarbeit Produkte in FAIRTRADE-Produkte, auf eine witzige, symbolische Art und Weise.

Ja, man muss die Diskussion nur in Gang halten. Ich finde es toll, wenn Menschen am Ende zu mir sagen: „Jetzt weiß ich erst so richtig, was FAIRTRADE ist und denke beim Einkaufen bewusster nach.“ Es geht mir gegen den Strich, dass wir mit unseren Ressourcen so fahrlässig umgehen. Der Mensch sollte von klein auf lernen, auf seine Mitmenschen und die Umwelt zu achten. Darum engagiere ich mich ehrenamtlich und wir planen in der FAIRTRADE-Arbeitsgruppe schon Aktionen für das kommende Jahr.

Drei Fragen an Michaela Meindl

Es war uns vor Jahren ein Anliegen, dass wir faire Arbeitskleidung für die Stadt-Bediensteten kaufen. Weniger ist mehr, vor allem wenn es fair gehandelt ist und die Qualität passt – das war damals unser Motto. Klasse statt Masse kaufen, die man oft austauschen muss, war die Devise. Am Ende haben wir für diesen Schritt sogar den europäischen Fair Cotton Award gewonnen.

Ja, wir haben danach eine Projektgruppe gegründet. Da waren und sind auch Gemeindevertreter von der Presse, den Finanzen etc. dabei. Wir haben darauf gedrängt, ein Zeichen zu setzen und einen politischen Grundsatzbeschluss zu fassen. Das ist geschehen – wir haben uns zu Bio, Regionalität und FAIRTRADE bekannt und das wird seitdem gelebt. So haben wir auch die Auszeichnung zur FAIRTRADE-Stadt erhalten.

Wir haben im Sommer ein faires Mitarbeiterfrühstück organisiert, im Winter gibt es am Glühweinstand FAIRTRADE-Schokolade. Zudem wurde ein eigener fairer Einkaufsführer gestaltet. Generell organisieren wir laufend Veranstaltungen, wo das Thema präsent ist. Mittlerweile teile ich unsere Erfahrungen auch mit anderen Gemeinden, weil ich es sehr wichtig finde, noch mehr Menschen für den fairen Handel zu begeistern.