Engagement im Porträt

Veränderung beginnt mit dem Einsatz eines einzelnen Menschen. Wer für eine Sache mit ganzem Herzen einsteht, findet rasch andere, die sich dafür begeistern lassen. Hinter jeder FAIRTRADE-Gemeinde stecken Geschichten engagierter Helferinnen und Helfer, die den fairen Handel zu dem machen, was er ist – einer vielseitigen Idee, die man im Alltag leben kann. Wir haben mit drei Frauen gesprochen, die sich in ihrer Gemeinde im FAIRTRADE-Arbeitskreis engagieren.

Michaela Meindl

Michaela Meindl

...ist für den Einkauf der Stadt Traun zuständig und Mitglied des FAIRTRADE-Arbeitskreises.

Drei Fragen an Michaela Meindl

Traun ist eine FAIRTRADE-Stadt – wie kam es dazu?

Es war uns vor Jahren ein Anliegen, dass wir faire Arbeitskleidung für die Stadt-Bediensteten kaufen. Weniger ist mehr, vor allem wenn es fair gehandelt ist und die Qualität passt – das war damals unser Motto. Klasse statt Masse kaufen, die man oft austauschen muss, war die Devise. Am Ende haben wir für diesen Schritt sogar den europäischen Fair Cotton Award gewonnen.

War das die Initialzündung, um den nächsten Schritt zu gehen?

Ja, wir haben danach eine Projektgruppe gegründet. Da waren und sind auch Gemeindevertreter von der Presse, den Finanzen etc. dabei. Wir haben darauf gedrängt, ein Zeichen zu setzen und einen politischen Grundsatzbeschluss zu fassen. Das ist geschehen – wir haben uns zu Bio, Regionalität und FAIRTRADE bekannt und das wird seitdem gelebt. So haben wir auch die Auszeichnung zur FAIRTRADE-Stadt erhalten.

Was wurde beispielsweise in diesem Jahr für den fairen Handel gemacht?

Wir haben im Sommer ein faires Mitarbeiterfrühstück organisiert, im Winter gibt es am Glühweinstand FAIRTRADE-Schokolade. Zudem wurde ein eigener fairer Einkaufsführer gestaltet. Generell organisieren wir laufend Veranstaltungen, wo das Thema präsent ist. Mittlerweile teile ich unsere Erfahrungen auch mit anderen Gemeinden, weil ich es sehr wichtig finde, noch mehr Menschen für den fairen Handel zu begeistern.

Ute Reisinger

Ute Reisinger

... ist biozertifizierte Gemüseverarbeiterin und engagiert sich für FAIRTRADE in Melk.

Drei Fragen an Ute Reisinger

Sie arbeiten viel mit heimischen Kleinbauernfamilien zusammen. Warum ist es wichtig, auch die Landwirtschaft im globalen Süden zu unterstützen?

Weil bio, regional und FAIRTRADE zusammengehört. Alle Bauernfamilien auf der Welt wollen dasselbe – nachhaltig produzieren und von dem, was sie machen, leben können. Dieser Thematik eine gute Plattform zu bieten, war mir ein Anliegen. Darum bin ich zu unserem Bürgermeister gegangen und habe das angesprochen und damit glücklicherweise offene Türen eingerannt.

Seit Herbst 2018 ist Melk eine FAIRTRADE-Stadt. Wie wird das von der Bevölkerung angenommen?

Es ist ehrliches Interesse da. Die Menschen möchten wissen, was das jetzt heißt und was dieser Schritt, dieses Bekenntnis zum fairen Handel bedeutet. Da kann man ansetzen und positive Entwicklungen fördern. Beispielsweise haben wir gemeinsam mit einem Röster einen eigenen Stadt Melk-FAIRTRADE-Kaffee kreiert. Der wird nun am Gemeindeamt getrunken und es gibt ihn auch zu kaufen.

Was ist für das kommende Jahr geplant?

FAIRTRADE-Produkte sind schon gut verfügbar in Melk, es geht aber immer noch mehr, wenn man kreativ ist und das Gespräch sucht. Wir wollen beispielsweise fairen Kakao für die Schulmilch in der Stadt etablieren. Außerdem sind Veranstaltungen im Kulturprogramm geplant, wo das Thema mitkommuniziert werden soll. Auch eine Kooperation mit der Organisation Südwind ist geplant, die Kindern das Leben von Kleinbauernfamilien in Afrika, Asien und Lateinamerika näherbringen soll. Die Gespräche laufen bereits.

Michaela Graf

Michaela Graf

...ist im Gemeindevorstand von Stegersbach und versucht in ihrer Gemeinde den fairen Handel stärker zu verwurzeln.

Drei Fragen an Michaela Graf

Stegersbach ist die erste burgenländische FAIRTRADE-Gemeinde und trägt seit etwa einem Jahr die Auszeichnung. Ihr bisheriges Resümee?

Es ist toll zu sehen, wie gut dieses Thema angenommen wird. Wir hatten in diesem Jahr 20 Veranstaltungen, die sich mit FAIRTRADE in unterschiedlicher Art und Weise auseinandergesetzt haben. Besonders toll war unser Ideenwettbewerb, für den es super Einreichungen gegeben hat.

Was kamen denn da für Beiträge aus der Bevölkerung?

Wir hatten beispielsweise eine heimische Baumstammscheibe, auf der das FAIRTRADE-Logo aus bemalten Kaffeebohnen zu sehen war. Kinder aus der Neuen Mittelschule Stegersbach haben ein eigenes Video gedreht und sich darin eingehend mit dem Thema fairer Handel auseinandergesetzt. Ein ganz origineller Beitrag kam auch von einer Familie, die mit ihren Töchtern eine FAIRTRADE-Maschine entworfen hat – diese verwandelt in Handarbeit Produkte in FAIRTRADE-Produkte, auf eine witzige, symbolische Art und Weise.

Das klingt, als würden sich die Bewohnerinnen und Bewohner ganz bewusst mit dem Thema auseinandersetzen?

Ja, man muss die Diskussion nur in Gang halten. Ich finde es toll, wenn Menschen am Ende zu mir sagen: „Jetzt weiß ich erst so richtig, was FAIRTRADE ist und denke beim Einkaufen bewusster nach.“ Es geht mir gegen den Strich, dass wir mit unseren Ressourcen so fahrlässig umgehen. Der Mensch sollte von klein auf lernen, auf seine Mitmenschen und die Umwelt zu achten. Darum engagiere ich mich ehrenamtlich und wir planen in der FAIRTRADE-Arbeitsgruppe schon Aktionen für das kommende Jahr.