Engagement im Porträt

Veränderung beginnt mit dem Einsatz eines einzelnen Menschen. Wer für eine Sache mit ganzem Herzen einsteht, findet rasch andere, die sich dafür begeistern lassen. Hinter jeder FAIRTRADE-Gemeinde stecken Geschichten engagierter Helferinnen und Helfer, die den fairen Handel zu dem machen, was er ist – einer vielseitigen Idee, die man im Alltag leben kann. Wir haben mit drei Frauen gesprochen, die sich in ihrer Gemeinde im FAIRTRADE-Arbeitskreis engagieren.

Birgit Winkler

Birgit Winkler

... ist Mitarbeiterin des FAIRTRADE-Arbeitskreis in Henndorf (Sbg.)

Drei Fragen an Birgit Winkler

1) Wie lange sind sie schon aktiv für FAIRTRADE und wie kam es dazu?

Seit gut fünf Jahren, unter anderem in der FAIRTRADE-Gemeinde Henndorf, seitdem diese vor drei Jahren ausgezeichnet wurde. Auf Grund meiner Tätigkeit bei der Gesunden Gemeinde sind die Themen gesunde Ernährung und gesunde Lebensmittel immer präsent. Da ist der thematische Sprung hin zum fairen Handel kein allzu großer: Wenn etwas regional nicht verfügbar ist, dann sollte man es fair gehandelt kaufen.

2) Seitdem Sie mitarbeiten hat es in der Gemeinde doch sicher ein paar interessante Events gegeben. Können sie da ein paar aufzählen?

Da gab es tatsächlich einige. Beispiele dafür sind unter anderem: Ein FAIRTRADE-Picknick am Wallersee oder eine Bananenverkostung am Hauptplatz, bei der lustige Fotos entstanden sind. Es gab einige Male Frühstücke in der Bibliothek, bei denen FAIRTRADE-Produkte verwendet wurden. Außerdem hatten wir ein Event, das wir „Nimm dein Häferl mit“ nannten und dabei ist der Name Programm gewesen. Wir haben am Hauptplatz FAIRTRADE-Kaffee an alle ausgeschenkt, die ihre Häferl zum Stand mitgebracht haben.

Es sind immer wieder nette und interessante Gespräche, die wir im Rahmen dieser Veranstaltungen mit den Henndorferinnen und Henndorfern über das Thema FAIRTRADE führen. Besonders beliebt ist unsere Valentinsaktion, bei der wir FAIRTRADE-Rosen an die Bürgerinnen und Bürger verschenken.

3) Haben sie auch schon FAIRTRADE-Projekte für die Zukunft geplant?

Wir holen die Ausstellung „Make Fruit Fair“ nach Henndorf. In Kooperation mit Südwind Salzburg, der Bibliothek Henndorf und der MMS Henndorf wird diese Ausstellung Anfang September 2019 in der Bibliothek Henndorf zu sehen und von 16. bis 20. September in der MMS Henndorf im Rahmen des Unterrichts für alle Schülerinnen und Schüler zugänglich sein.

Bernhard Berger

Bernhard Berger

... ist Mitarbeiter des FAIRTRADE-Arbeitskreis in Gallneukirchen (OÖ)

Drei Fragen an Bernhard Berger

1) Wie lange sind Sie schon aktiv für FAIRTRADE und was ist ihr Aufgabenbereich innerhalb der Gemeinde?

Ich bin bereits sieben Jahre dabei und setze mich für die Bewusstseinsförderung innerhalb der Gemeinde ein und dafür, dass FAIRTRADE-Produkte verwendet werden und leicht verfügbar sind.

2) Was wäre ein Beispiel für etwas, dass sie in diesem Jahr für FAIRTRADE gemacht haben?

Ich habe öfters im Gemeinderat Schokolade verteilt, einmal wurde ein FAIRTRADE-Kuchen gebacken und es gab eine Fairtrade-Modenschau.

3) Gallneukirchen ist auch dank ihres Einsatzes eine FAIRTRADE-Gemeinde – was war bislang ihre Lieblingsveranstaltung im Ort, auf der FAIRTRADE thematisiert wurde?

Da gab es einige schöne Veranstaltungen, aber am bislang tollsten fand ich die diesjährige Modenschau.

Petra Oberrauner

Petra Oberrauner

... ist Vizebürgermeisterin, Energiereferentin und Mitarbeiterin FAIRTRADE-Arbeitskreis Villach (Ktn.)

Drei Fragen an Petra Oberrauner

1) Wie kam es dazu, dass Villach als FAIRTRADE-Stadt ausgezeichnet wurde?

Die Stadt Villach ist seit Jahrzehnten von einer sehr ambitionierten Energie- und Umweltpolitik geprägt. Dabei nimmt das Thema ökosoziale Beschaffung einen besonders hohen Stellenwert bei uns ein. Den Schritt in Richtung FAIRTRADE zu gehen war einfach konsequent und gehörte zu einer meiner ersten Aktivitäten als Energie- und Nachhaltigkeitsreferentin.

2) Was hat sich getan, seit Villach eine FAIRTRADE-Stadt ist?

FAIRTRADE im Speziellen aber generell nachhaltige Beschaffung ist als Thema bei den Menschen angekommen. Es herrscht ein merklich anderes Bewusstsein als 2016, es wird bewusster entschieden. Wir haben auch nach wie vor sehr ambitionierte Partner, wie das Klimabündnis und den Weltladen, die aktiv mitgestalten. Besonders gefreut hat es mich, dass sich die Volksschule „Untere Fellach“ dazu entschieden hat, FAIRTRADE-School zu werden.

3) Welche Projekte, die sich mit dem fairen Handel auseinandersetzen, gab es zuletzt oder sind noch geplant?

Wir haben am Biofest einen Infostand zum Thema fairer Handel. Hier liegt der Schwerpunkt auf der Vermeidung von Einweg-Plastik, wo wir zeigen wie es geht – natürlich mit FAIRTRADE-Baumwolltaschen. Daneben gibt es noch eine FAIRTRADE-Modenschau und Infos rund um das Thema.Beim Energie- und Umweltpreis der Stadt Villach wurde ab 2019 das Thema FAIRTRADE als eigene Kategorie eingeführt. Wir freuen uns auf viele eingereichte Projekte, die zeigen, wieviel Innovationskraft in unseren Bürgerinnen und Bürgern aber auch in Unternehmen und Start-ups steckt.

Martina Laschtowiczka

Martina Laschtowiczka

... ist Umweltgemeinderätin und Bäuerin und engagiert sich in der FAIRTRADE-Gemeinde Krumbach.

Drei Fragen an Martina Laschtowiczka

1) Gerade jetzt in der Corona-Krise wird deutlich, wie wichtig die Landwirtschaft in allen Regionen der Welt ist. Sie selbst sind auch Bäuerin, würden sie sagen, die Menschen entwickeln zurzeit ein stärkeres Bewusstsein für Produkte des täglichen Bedarfs?

Ja, denn die letzten Jahrzehnte lang hat in Österreich niemand auf irgendein Lebensmittel verzichten müssen. Es war alles aus aller Welt ständig verfügbar. Plötzlich wird klar, wie wichtig die regionale Lebensmittelversorgung der Bevölkerung ist. Ich hoffe, dass dieses Wachrütteln anhält und unsere Konsumentinnen und Konsumenten auch nach der Krise heimische Produkte „fair“ einkaufen. Mit jedem Griff zu regionalen Produkten, geben sie einen klaren Produktionsauftrag an uns Bäuerinnen und Bauern und als Zusatznutzen wird auch noch der Lebensraum für alle erhalten.

2) Sie sind in Ihrer Gemeinde Krumbach auch als Gemeindevorstand aktiv, und in Ihrer Funktion auch Zuständig für das Projekt „FAIRTRADE Gemeinde“. Wo sehen sie den Zusammenhang zu Ihnen und Bauernfamilien z.B. in Afrika?

Der Zusammenhang ist einfach hergestellt. Wir alle müssen unsere Lebensgrundlagen schützen und wertschätzen. Nur durch faire Preise ist es möglich, dass weder Menschen, noch Tiere, noch Böden ausgebeutet werden. Mit FAIRTRADE setzen wir ein Zeichen für unsere Solidarität mit Bauernfamilien in aller Welt!

3) Krumbach ist ja Teil der NÖ FAIRTRADE-Region „Bucklige Welt“. Da geht Klimaschutz, Regionalität und FAIRTRADE Hand in Hand. Welches Potential sehen sie für dieses Projekt in der Zukunft?

Das Potenzial sehe ich vor allem in den kleinen Strukturen. Das betrifft einerseits die verstärkte Direktvermarktung unserer Lebensmittel und andererseits überall dort, wo auf heimische Produkte nicht zurückgegriffen werden kann, die Unterstützung von FAIRTRADE-Produkten und damit die Stärkung vieler Kleinbauernfamilien aus aller Welt, aber auch den Einkauf von regional angebotenen Dienstleistungen und regional erzeugten Waren. So sind zum Beispiel unsere Handwerksbetriebe wahre Profis. Dieser Mehrwert für uns alle sollte noch stärker zur Geltung kommen. Wenn die Menschen dort arbeiten können, wo sie leben, kann Kreislaufwirtschaft, Regionalität und Klimaschutz gelingen.

Ute Reisinger

Ute Reisinger

... ist biozertifizierte Gemüseverarbeiterin und engagiert sich für FAIRTRADE in Melk.

Drei Fragen an Ute Reisinger

Sie arbeiten viel mit heimischen Kleinbauernfamilien zusammen. Warum ist es wichtig, auch die Landwirtschaft im globalen Süden zu unterstützen?

Weil bio, regional und FAIRTRADE zusammengehört. Alle Bauernfamilien auf der Welt wollen dasselbe – nachhaltig produzieren und von dem, was sie machen, leben können. Dieser Thematik eine gute Plattform zu bieten, war mir ein Anliegen. Darum bin ich zu unserem Bürgermeister gegangen und habe das angesprochen und damit glücklicherweise offene Türen eingerannt.

Seit Herbst 2018 ist Melk eine FAIRTRADE-Stadt. Wie wird das von der Bevölkerung angenommen?

Es ist ehrliches Interesse da. Die Menschen möchten wissen, was das jetzt heißt und was dieser Schritt, dieses Bekenntnis zum fairen Handel bedeutet. Da kann man ansetzen und positive Entwicklungen fördern. Beispielsweise haben wir gemeinsam mit einem Röster einen eigenen Stadt Melk-FAIRTRADE-Kaffee kreiert. Der wird nun am Gemeindeamt getrunken und es gibt ihn auch zu kaufen.

Was ist für das kommende Jahr geplant?

FAIRTRADE-Produkte sind schon gut verfügbar in Melk, es geht aber immer noch mehr, wenn man kreativ ist und das Gespräch sucht. Wir wollen beispielsweise fairen Kakao für die Schulmilch in der Stadt etablieren. Außerdem sind Veranstaltungen im Kulturprogramm geplant, wo das Thema mitkommuniziert werden soll. Auch eine Kooperation mit der Organisation Südwind ist geplant, die Kindern das Leben von Kleinbauernfamilien in Afrika, Asien und Lateinamerika näherbringen soll. Die Gespräche laufen bereits.

Michaela Graf

Michaela Graf

... ist im Gemeindevorstand von Stegersbach und versucht in ihrer Gemeinde den fairen Handel stärker zu verwurzeln.

Drei Fragen an Michaela Graf

Stegersbach ist die erste burgenländische FAIRTRADE-Gemeinde und trägt seit etwa einem Jahr die Auszeichnung. Ihr bisheriges Resümee?

Es ist toll zu sehen, wie gut dieses Thema angenommen wird. Wir hatten in diesem Jahr 20 Veranstaltungen, die sich mit FAIRTRADE in unterschiedlicher Art und Weise auseinandergesetzt haben. Besonders toll war unser Ideenwettbewerb, für den es super Einreichungen gegeben hat.

Was kamen denn da für Beiträge aus der Bevölkerung?

Wir hatten beispielsweise eine heimische Baumstammscheibe, auf der das FAIRTRADE-Logo aus bemalten Kaffeebohnen zu sehen war. Kinder aus der Neuen Mittelschule Stegersbach haben ein eigenes Video gedreht und sich darin eingehend mit dem Thema fairer Handel auseinandergesetzt. Ein ganz origineller Beitrag kam auch von einer Familie, die mit ihren Töchtern eine FAIRTRADE-Maschine entworfen hat – diese verwandelt in Handarbeit Produkte in FAIRTRADE-Produkte, auf eine witzige, symbolische Art und Weise.

Das klingt, als würden sich die Bewohnerinnen und Bewohner ganz bewusst mit dem Thema auseinandersetzen?

Ja, man muss die Diskussion nur in Gang halten. Ich finde es toll, wenn Menschen am Ende zu mir sagen: „Jetzt weiß ich erst so richtig, was FAIRTRADE ist und denke beim Einkaufen bewusster nach.“ Es geht mir gegen den Strich, dass wir mit unseren Ressourcen so fahrlässig umgehen. Der Mensch sollte von klein auf lernen, auf seine Mitmenschen und die Umwelt zu achten. Darum engagiere ich mich ehrenamtlich und wir planen in der FAIRTRADE-Arbeitsgruppe schon Aktionen für das kommende Jahr.

Michaela Meindl

Michaela Meindl

... ist für den Einkauf der Stadt Traun zuständig und Mitglied des FAIRTRADE-Arbeitskreises.

Drei Fragen an Michaela Meindl

Traun ist eine FAIRTRADE-Stadt – wie kam es dazu?

Es war uns vor Jahren ein Anliegen, dass wir faire Arbeitskleidung für die Stadt-Bediensteten kaufen. Weniger ist mehr, vor allem wenn es fair gehandelt ist und die Qualität passt – das war damals unser Motto. Klasse statt Masse kaufen, die man oft austauschen muss, war die Devise. Am Ende haben wir für diesen Schritt sogar den europäischen Fair Cotton Award gewonnen.

War das die Initialzündung, um den nächsten Schritt zu gehen?

Ja, wir haben danach eine Projektgruppe gegründet. Da waren und sind auch Gemeindevertreter von der Presse, den Finanzen etc. dabei. Wir haben darauf gedrängt, ein Zeichen zu setzen und einen politischen Grundsatzbeschluss zu fassen. Das ist geschehen – wir haben uns zu Bio, Regionalität und FAIRTRADE bekannt und das wird seitdem gelebt. So haben wir auch die Auszeichnung zur FAIRTRADE-Stadt erhalten.

Was wurde beispielsweise in diesem Jahr für den fairen Handel gemacht?

Wir haben im Sommer ein faires Mitarbeiterfrühstück organisiert, im Winter gibt es am Glühweinstand FAIRTRADE-Schokolade. Zudem wurde ein eigener fairer Einkaufsführer gestaltet. Generell organisieren wir laufend Veranstaltungen, wo das Thema präsent ist. Mittlerweile teile ich unsere Erfahrungen auch mit anderen Gemeinden, weil ich es sehr wichtig finde, noch mehr Menschen für den fairen Handel zu begeistern.