30. November 2020Aktuelles aus aller Welt

Gemeinsam einen Meilenstein erreicht: Höheres Einkommen für Kakao-Kleinbauernfamilien in Ghana und der Côte d’Ivoire

FAIRTRADE Österreich begrüßt den höheren Preis, den Kleinbauernfamilien in Côte d’Ivoire und Ghana seit 1. Oktober zur einsetzenden Erntesaison für Kakao in Westafrika erhalten müssen. Die Regierungen beider Länder machen damit ihre Zusage aus dem vergangenen Jahr wahr, den verpflichtenden Ab-Hof-Preis für Kakaobäuerinnen und -bauern anzuheben.

Dieser neue Preisaufschlag wird auch Living Income Differential (LID) genannt, die Höhe wurde mit zusätzlich 400 US-Dollar pro Tonne Kakao festgesetzt.  Für alle Unternehmen, die Kakao aus diesen Ländern einkaufen, ist dieser LID somit verpflichtend und bedeutet einen großen Schritt in Richtung existenzsicherndes Einkommen für die betroffenen Kleinbauernfamilien.

Begonnen hat diese Entwicklung nach Jahrzehnten volatiler Kakao-Weltmarktpreisen, mit teilweise extremen Höhen und vor allem Tiefen, bereits im Jahr 2016, als Fairtrade International in Westafrika die Einkommensverhältnisse der Kleinbauernfamilien wissenschaftlich untersuchte – mit teils ernüchternden Ergebnisse: mehr als die Hälfte der Kleinbauernfamilien lebte immer noch unterhalb der Armutsgrenze. Also setzte Fairtrade International als Konsequenz den ersten Schritt: Sowohl FAIRTRADE-Mindestpreis, als auch die FAIRTRADE-Prämie wurden nach einem Konsultationsprozess mit Produzentenorganisationen, Schokoladeproduzenten und BranchenexpertInnen um jeweils 20% erhöht. Das Living Income Differential ist nun ein weiterer mutiger Schritt und auch ein Zeichen der Emanzipation der Produzentenländer, die verstärkt gemeinsam ihr Recht auf faire Bezahlung auch gegenüber dem Zwischenhandel einfordern.  Denn ein existenzsicherndes Einkommen ist ein Menschenrecht für alle, das nicht nur ein Privileg für einige Teile der globalen Lieferketten bleiben darf.

So erfreulich diese Entwicklung ist, es gibt immer noch viel zu tun: Der kürzlich angekündigte Multi-Stakeholder-Dialog für nachhaltigen Kakao auf Initiative der EU versucht, die Kräfte aller Beteiligten zu bündeln, und so mittelfristig in den Ländern des globalen Nordens ein Gesetz zur menschenrechtlichen und umweltbezogenen Sorgfaltspflicht zu entwickeln, begleitet von Partnerschaftsabkommen mit Interessengruppen aller Beteiligter in Ghana und Côte d’Ivoire. Fairtrade International arbeitet parallel dazu gemeinsam mit engagierten Partnerunternehmen an der Umsetzung von Pilotprojekten vor Ort, um dem Ziel des existenzsichernden Einkommens für alle entlang der gesamten Lieferkette zu erreichen. Darüber hinaus bietet Fairtrade Africa, das regionale Produzentennetzwerk, bereits über 230 zertifizierten Kakao- Kooperativen Fortbildungen und Unterstützung über sein West Africa Cocoa Programme an.

Die politischen Entscheidungsträger sind besonders gefordert, sich in diesen Prozess ebenfalls noch stärker einzubinden. Wie das gelingen kann, beschreibt Jon Walker, Senior Advisor Cocoa von Fairtrade International in einem aktuellen Blogeintrag.

Faire Schokolade ist auch in Österreich noch keine Selbstverständlichkeit, das zeigt der aktuelle Schoko-Nikolo-Check von Südwind und Global 2000: Während rund ein Drittel der getesteten Nikoläuse soziale und ökologische Kriterien erfüllen, besteht beim unteren Drittel noch akuter Nachholbedarf. Doch Genuss und Fairness ist möglich: Ideen für vorweihnachtliche Rezepte (Vanillekipferl!) gibt’s hier, und unser FAIRTRADE-Adventkalender mit täglichen Gewinnen ist hier online.

Aktuelle Kakao-Studie: “Promoting living incomes in the cocoa sector: Policy options for consumer countries”, Fairtrade International, 2020
Interessanter Artikel über Widerstände innerhalb der Kakaoindustrie gegen die Bestrebungen von Côte d’Ivoire und Ghana, ein Living Income Differential (LID) für die betroffenen Kakaobauernfamilien umzusetzen: hier