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Kenianische Blumenfarmen nutzen Hilfsfonds für Kinderbetreuung

Der Corona-Hilfsfonds von FAIRTRADE wirkt der Doppelbelastung kenianischer Frauen entgegen.

„Madam, tumemwagiwa watoto" ist ein Satz den die Personalleiterin einer kenianischen Blumenfarm in den vergangenen Monaten immer wieder gehört hat. Frei übersetzt bedeutet der Satz, dass es „Kinder regnet“. Das spielt jedoch nicht auf das rassistische Klischee der Geburtenrate afrikanischer Länder an. Vielmehr geht es um ein spezifisches Problem des Blumensektors und den immensen Druck auf kenianische Frauen.

Schließung von Kindertagesstätten

Die Beschäftigten im Blumensektor sind zu ungefähr drei Vierteln weiblich. Die Mehrheit von ihnen sind gleichzeitig Mütter, viele haben Kleinkinder zu versorgen. Einige der Frauen sind verheiratet, andere ziehen ihre Kinder allein groß. Wie in vielen Gesellschaften wird die Kinderbetreuung meist als Verantwortung der Mutter wahrgenommen und die Arbeiterinnen tragen eine doppelte Last. Durch die Covid-19-Pandemie wird ihre Lage außerdem weiter zugespitzt.
Einige FAIRTRADE-zertifizierte Blumenfarmen haben im Laufe der Zeit Mittel aus der FAIRTRADE-Prämie in den Bau von Kindertagesstätten investiert. Diese bieten den Müttern eine sichere Umgebung für ihre Kinder während der Arbeitszeit. Die zuvor beschriebene Blumenfarm betreibt seit einiger Zeit eine solche Tagesstätte für rund 50 Kleinkinder. Als das Virus jedoch Mitte März in Kenia eintraf, wurden Schulen und Kindertagesstätten umgehend geschlossen. Damit stieg die Nachfrage nach Lebensmitteln und die damit verbundenen Kosten. „Wenn die Kinder in der Schule sind, kann man sein Budget viel besser planen, weil einige von ihnen in der Schule essen werden. Wenn sie aber alle zu Hause sind, wird es hektisch, weil man sich überlegen muss, wie man mit Frühstück, Mittag- und Abendessen umgeht“, erklärt die Personalleiterin.
Für einige Beschäftigte ist die Lage zudem schwieriger, nachdem ihre Ehepartner durch die Pandemie ihren Arbeitsplatz verloren haben. Das betrifft zum Beispiel eine der Gewächshausarbeiterin dort. Ihr Mann arbeitete als Fahrer und verlor seinen Job, nachdem der Transportsektor eingeschränkt wurde, um Ausbreitung des Virus einzudämmen. Die fünfköpfige Familie ist nun allein auf ihr Gehalt angewiesen, um über die Runden zu kommen. „Ich muss die Lebensmittel, die ich meinen Kindern gebe, rationieren, und ehrlich gesagt werden sie nicht satt“.

Unterstützung ist nötig

Die Berichte dieser Frauen betonen die Bedeutung von Kinderbetreuung, aber auch finanziellen Leistungen für berufstätige Mütter. Hilfe kommt jetzt aus dem Corona-Hilfsfonds und der Flexibilisierung der FAIRTRADE-Prämie. FAIRTRADE-zertifizierte Blumenfarmen haben bisher über 1,3 Millionen Euro für Lebensmittel und Hygienematerial erhalten. Dies ist der von Fairtrade International eingeführten Flexibilität bei der Verwendung der FAIRTRADE-Prämie aus dem Verkauf von FAIRTRADE-Blumen zu verdanken, die es den ProduzentInnen ermöglicht, auf dringende Bedürfnisse im Zusammenhang mit Covid-19 zu reagieren. So kann die Prämie, die normalerweise in langfristige Projekte investiert wird, aktuell in Direktzahlungen an Beschäftigte fließen und die finanziellen Einbußen ein Stück weit abfedern. Dadurch können Lebensmittel finanziert und die Doppelbelastung eingedämmt werden.
Darüber hinaus haben 46 Blumenfarmen Auszahlungen aus dem Corona-Hilfsfonds für ProduzentInnen erhalten. Zusammen mit einem Resilienzfonds wurde der Hilfsfonds eingerichtet, um gezielt auf die wirtschaftlichen Einschränkungen der Pandemie zu reagieren. Blumenfarmen können auch durch diese Gelder zur Gewährleistung der Gesundheit und Sicherheit ihrer Beschäftigten beitragen. Die Situation hat sich dadurch bereits etwas gebessert, der Weg zurück zur Normalität ist allerdings nach wie vor ein langer.