Pressemitteilung

Statement von Fairtrade Deutschland zum SWR Radio Feature

Im Radio-Feature Fair-Giftet werden Verstöße gegen die FAIRTRADE-Standards auf einer Teeplantage in Assam kritisiert. Die genannte Farm beliefert nach unseren Informationen weder den österreichischen, noch den deutschen Markt und wurde bereits vor Ausstrahlung durch FLOCERT suspendiert. Sie muss nun Maßnahmen zur Verbesserung der Situation ergreifen.

Im Radio-Feature "Fair-Giftet" werden Verstöße gegen die FAIRTRADE-Standards auf einer Teeplantage in Assam kritisiert. Die genannte Farm beliefert nach unseren Informationen weder den österreichischen, noch den deutschen Markt und wurde bereits vor Ausstrahlung durch FLOCERT suspendiert. Sie muss nun Maßnahmen zur Verbesserung der Situation ergreifen.

Am 17.2. wurde ein ARD Radio-Feature mit dem Titel "Fair-Giftet" ausgestrahlt. Die bereits erwartete kritische Auseinandersetzung mit dem Fairen Handel hat sich bestätigt.

Der Journalist kritisierte den Einsatz von gefährlichen Pestiziden, eine unsachgemäße Handhabung von Pestiziden, mangelnden Arbeitsbedingungen und Prämienmissbrauch auf der FAIRTRADE zertifizierten Teeplantage Phulbari. Diese Information leitete Transfair Deutschland sofort an die Zertifizierungsgesellschaft FLOCERT weiter.

Nach FLOCERT Informationen begann bereits Anfang Dezember 2014 ein Audit auf der erwähnten Plantage. Dieses musste jedoch wegen der eskalierenden Gewalt durch Rebellengruppen in Assam unterbrochen werden. Bereits während dieses ersten Teils des Audits wurden Verstöße gegen die FAIRTRADE-Standards festgestellt. Im Januar wurde das Audit fortgesetzt. Zusätzlich wurde in einem unangekündigten Audit den konkreten Vorwürfen nachgegangen, die TransFair Deutschland nach dem Interview eingereicht hatte. Die vier zu McLeod Russel India Limited gehörenden Plantagen Phulbari, Harchurah, Borengajuli und Attareekhat wurden aufgrund der Ergebnisse beider Audits mit sofortiger Wirkung suspendiert.

80 Prozent des in Österreich verkauften FAIRTRADE-Tees ist bio

FAIRTRADE ist ein Sozialsiegel, das neben sozialen und ökonomischen Kriterien auch strenge Umweltkriterien im Standard verankert hat. Nicht überall erlauben die Gegebenheiten jedoch biologischen Anbau. Bio-Anbau grundsätzlich vorauszusetzen, um Mitglied der FAIRTRADE-Bewegung zu werden, würde viele Produzentenorganisationen von vorn herein von der Zertifizierung ausschließen. Unter FAIRTRADE-Bedingungen gibt es aber eine grundlegende und in den Standards verankerte Verpflichtung, den Pestizideinsatz schrittweise auf ein Mindestmaß zu reduzieren, und wenn der Einsatz von Pestiziden unvermeidbar ist, dann die am wenigsten giftigen in der geringstmöglichen Ausbringungsmenge anzuwenden. 


Außerdem fördert FAIRTRADE, durch die Zahlung eines Bio-Zuschlags, die Umstellung von konventionellem Anbau auf Bio-Anbau. In vielen Fällen wurde die Umstellung auf Bio-Anbau erst mittels Finanzierung durch FAIRTRADE-Prämiengelder ermöglicht. Tatsächlich ist eine Bio-Zertifizierung die wichtigste Zweit-Zertifizierung von FAIRTRADE-Produzentenorganisationen.

Herausforderungen im Teeanbau

Uns ist durchaus bewusst, dass Teeanbau in Indien hochproblematisch ist. Dies bestätigten zuletzt Studien von Misereor (2014) und Oxfam (2013). Der Mindestlohn wird häufig unterschritten. Löhne werden teilweise in Sachleistungen ausgezahlt, was die Selbstbestimmung weiter einschränkt. Schlechte Arbeitsbedingungen, Unterdrückung gewerkschaftlicher Organisation, mangelnde Gesundheitsversorgung und prekäre Anstellungsverhältnisse verschlechtern die Lage.  Nur durch gemeinsame Anstrengungen von Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft wird sich die Situation von tausenden Beschäftigten im Teesektor ändern können. In einem gemeinsamen Projekt mit Oxfam, Ethical Tea Partnership und anderen Zertifizierern setzt sich FAIRTRADE dafür ein, die Löhne im Teesektor zu erhöhen.

Dass die in Indien geltende starke staatliche Reglementierung des Teesektors eine enorme Hürde für positive Wirkung von Fairtrade Indien ist, hat auch die  Ceval Studie, die dem Fairen Handel in vielen anderen Produktbereichen positive Wirkung attestieren, für kritisch befunden.Unter anderen die kritischen Ergebnisse der Ceval Studie 2012 haben dazu geführt, dass FAIRTRADE den Lohnarbeits-Standard grundlegend überarbeitet hat. Zusätzlich zur verpflichtenden Zahlung von nationalen Mindestlöhnen schreibt FAIRTRADE als erstes Zertifizierungssystem vor, dass Lohnarbeitsbetriebe jährlich nachzuweisende Schritte hin zu einem existenzsichernden Lohn durchführen müssen. In der Regel sind das Lohnsteigerungen über dem Inflationsniveau, um sich so schrittweise dem existenzsichernden Lohn anzunähern. Derzeit wird die Höhe der existenzsichernden Löhne für all jene Länder weltweit erhoben, in denen es FAIRTRADE-zertifizierte Lohnarbeitsbetriebe gibt. Die Umsetzung wird dauern, aber wir nehmen diese Herausforderung an.

Eine weitere Empfehlung verschiedener Studien lautet, die FAIRTRADE-Verkäufe zu steigern: Denn so können durch ein erhöhtes Prämieneinkommen unabhängig von staatlichen Vorgaben mithilfe von Prämienprojekten größere positive Wirkungen erzielt werden.


Weitere Informationen:

Fachartikel zu FAIRTRADE und Pestiziden
FAIRTRADE und ArbeiterInnen



Rückfragehinweis:

FAIRTRADE ÖSTERREICH
Elisabeth Wallner
elisabeth.wallner@fairtrade.at