Statement

Statement zur ORF „Konkret“-Sendung vom 16.11.2018

Im TV-Beitrag wird auf das Ausscheiden des Schokoladeherstellers Zotter aus dem FAIRTRADE-System sowie den so genannten Mengenausgleich eingegangen.

FAIRTRADE-Kakao steht in erster Linie für die Schaffung von fairen Handelsbedingungen und von besseren Lebensbedingungen für Kleinbauernfamilien. Aktuelle Studienergebnisse zeigen, dass noch immer mehr als die Hälfte der Kakaobäuerinnen und -bauern in Côte d'Ivoire unter der absoluten Armutsgrenze leben müssen. Das zu verändern, ist unser oberstes Ziel und auch das, was Konsumentinnen und Konsumenten in Österreich erwarten, wenn sie Schokolade mit dem FAIRTRADE-Siegel kaufen.

Sie erwarten auch, dass ein Mehrpreis, den sie für FAIRTRADE-Produkte bezahlen, bei den Kleinbauernfamilien ankommt und nicht in der Produktion versickert.

Um diesem Anspruch gerecht zu werden, ist der Mengenausgleich ein notwendiges Werkzeug. Gleichzeitig wird so möglichst vielen Menschen hierzulande der Kauf von FAIRTRADE-Schokolade ermöglicht und nicht nur der Zielgruppe teurer Premiumschokolade. Der Mengenausgleich ist darüber hinaus keine Erfindung von FAIRTRADE, sondern gängige Praxis in der Schokoladeherstellung und deshalb auch seit der ersten FAIRTRADE-Schokolade in Österreich im Jahr 1996 für alle FAIRTRADE-Partnerunternehmen möglich.

Was ist der Mengenausgleich eigentlich genau?

FAIRTRADE-Kakaobauernfamilien können derzeit nur knapp ein Drittel ihrer Kakaoernte zu FAIRTRADE-Bedingungen verkaufen – der Rest (muss) am konventionellen Weltmarkt angeboten werden. Eine zwingend vorgeschriebene getrennte Verarbeitung von FAIRTRADE-Kakaobohnen und konventioneller Ware würde dieses Verhältnis noch weiter verschlechtern. Denn durch die Trennung im Verarbeitungsprozess würden hohe Mehrkosten entstehen und die Nachfrage nach FAIRTRADE-Kakao sinken.

Im ORF „Konkret“-Beitrag wird im Gespräch mit Josef Zotter in diesem Zusammenhang der Eindruck erweckt, dass nur Teile des Kakaoanteils in einer Tafel FAIRTRADE-Schokolade auch zertifiziert sein müssen. Doch das ist so nicht richtig: Bei der Herstellung einer Tafel FAIRTRADE-Schokolade muss immer für 100 % der dafür benötigten Menge Kakaobohnen auch der FAIRTRADE-Mindestpreis und die FAIRTRADE-Prämie an die jeweilige Kleinbauernkooperative im Ursprung bezahlt werden. D.h. 100 % der Kakaozutaten in einer FAIRTRADE-Schokolade wurden zu FAIRTRADE-Bedingungen eingekauft. Nur die Verarbeitung der FAIRTRADE-Kakaobohnen im Herstellungsprozess – als Zwischenschritt von der Kakaobohne zur fertigen Schokolade – erfolgt gemeinsam mit konventioneller Ware. Genau diesen gemeinsamen Zwischenschritt nennt man Mengenausgleich. Der FAIRTRADE-Mindestpreis und die FAIRTRADE-Prämie sind auch immer gleich hoch, egal wie groß oder klein das Unternehmen ist und egal welche Mengen gekauft und verarbeitet werden.

Wie der westafrikanische Kakao-Kleinbauer Stephen Kwame Mash im „Konkret“-Beitrag sagt: „Der Preis den ich für meinen Kakao bezahlt bekomme ist viel zu gering. Wir können davon nur sehr schwer leben.“ Es ist noch ein weiter Weg, um Kakao-Kleinbauernfamilien ein existenzsicherndes Einkommen zu ermöglichen. Umso wichtiger ist es, möglichst vielen Kleinbauernfamilien im Ursprung bessere Absatzchancen zu ermöglichen und nicht nur wenigen Auserwählten die Chance auf bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen zu geben.

Nähere Informationen zum Mengenausgleich finden Sie hier.

Über FAIRTRADE und Zotter:

  • 1996: Die erste Schokolade mit FAIRTRADE-Siegel ist in Österreich erhältlich
  • 1999: Zotters Schokoladen Manufaktur wird eröffnet. 
  • 2004: Zotter wird FAIRTRADE-Lizenzpartner und produziert ab dem Zeitpunkt seine Schokolade nach den FAIRTRADE-Standards
  • 2019: Die Zusammenarbeit mit Zotter wird beendet, bis März 2019 werden noch Zotter-Produkte mit dem FAIRTRADE-Siegel erhältlich sein.

Rückfragehinweis:
Mag. Veronika Polster
veronika.polster@fairtrade.at
Mob.: +43 664 821 00 91

Mag. Peter Ehrenberger
peter.ehrenberger@fairtrade.at
Tel: + 43 1 533 09 56 DW 26
Mob.: +43 660 380 72 80

Mag. Bernhard Moser

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Mob.: +43 664 526 74 65