Presseaussendung

Wer auch morgen noch Schokolade essen will, muss schon heute Kakao-Bauernfamilien angemessen bezahlen

FAIRTRADE erhöht den Mindestpreis für FAIRTRADE-Kakao mit Oktober 2019 um 20 Prozent auf 2400 US-Dollar pro Tonne. Gleichzeitig steigt auch die FAIRTRADE-Prämie. Diese Maßnahmen sollen dazu beitragen, die Lebensbedingungen der Kakao-Bauernfamilien in Westafrika zu verbessern.

Derzeit setzen viele Nachhaltigkeitsinitiativen der Kakaoindustrie vor allem auf produktivitätssteigernde Maßnahmen, um die Einkommen der Produzentenorganisationen zu erhöhen. „Steigt dadurch das Kakao-Erntevolumen in einem kurzen Zeitraum relativ schnell, resultiert das in einem Sinken des Weltmarktpreises“ so FAIRTRADE Österreich-Geschäftsführer Hartwig Kirner bei einem Pressetermin in Salzburg, der Wiege des fairen Handels in Österreich, gemeinsam mit Landeshauptmann-Stellvertreter Dr. Heinrich Schellhorn vom Land Salzburg und Mag. Stefan Grasgruber-Kerl, Bereichsleitung Kampagnen von Südwind Österreich. „Seit Herbst 2016 ist der Kakao-Weltmarktpreis um ein Drittel gefallen, mit negativen Effekten auf das Einkommen. Das zeigt, wie wichtig gerade jetzt der FAIRTRADE-Mindestpreis für die Kleinbauernfamilien ist.“ so Kirner weiter. 

Wesentlicher Schritt gesetzt 
Stefan Grasgruber-Kerl über die Situation der Kakao-ProduzentInnen: „Während am Kakaomarkt die großen Profite von den internationalen Konzernen eingefahren werden, bleiben die Kakao-ProduzentInnen oft auf der Strecke. Viele müssen mit Einkommen, die weit unter der absoluten Armutsgrenze liegen, überleben. Um die Kakaoproduktion nachhaltig zu sichern, muss das gemeinsame Ziel aller AkteurInnen sein, einen menschenwürdigen Lebensstandard für die Familien im Kakaoanbau zu schaffen. Und das geht nur mit einem existenzsichernden Einkommen. Wenn Schokoladen-Unternehmen es mit der Nachhaltigkeit ernst meinen, müssen sie auch bereit sein, mehr für den Kakao zu bezahlen. Wir begrüßen daher die Erhöhung des Mindestpreises durch FAIRTRADE als wesentlichen Schritt in die richtige Richtung. Dem sollten noch weitere Erhöhungen folgen. Aber auch andere Siegel und die Unternehmen der Branche müssen nachziehen.“ 

Eine von Fairtrade International in Auftrag gegebene Studie aus 20161 unterstreicht die Kluft zwischen Re-aleinkommen und existenzsicherndem Einkommen einer durchschnittlichen Kakaobauernfamilie in der Elfenbeinküste. „Für FAIRTRADE war die Erkenntnis, dass viele Familien in Côte d’Ivoire auch innerhalb des Netzwerks unter der absoluten Armutsgrenze leben, alarmierend. Die 20 Prozent höheren Mindestpreise und FAIRTRADE-Prämien für die Kooperativen2 sind ein wichtiger Schritt“, erklärt Kirner. Die Kooperativen nutzen dieses Geld, um ihre Organisation zu stärken, für Direktleistungen für die Bauernfamilien und Gemeinschaftsprojekte. Zum ganzheitlichen Maßnahmenpaket gehören auch die Stärkung der Kooperativen durch Professionalisierung, die Unterstützung bei der Diversifizierung der Einkommen und qualitäts- und produktivitätssteigernde Maßnahmen.

Unterstützung aus Salzburg 

„Die Rechte und Einkommen der Kleinbauernfamilien sind uns wichtig. Wir unterstützen daher das FAIRTRADE-Maßnahmenpaket voll und ganz“, erklärt dazu Heinrich Schellhorn. „Salzburg ist ein gutes Beispiel für eine langjährige, erfolgreiche Zusammenarbeit mit FAIRTRADE. In vielen Kindergärten, Schulen oder SeniorInnenwohnhäusern im Bundesland Salzburg wird FAIRTRADE-Schokolade gegessen und FAIRTRADE-Kaffee getrunken“, so Schellhorn. „Zahlreiche Partner aus Handel und Gastronomie in Salzburg haben FAIRTRADE-Produkte im Sortiment und etliche ehrenamtliche Gemeinde-Gruppen treiben das Thema fairer Handel voran.“  

Im Bundesland Salzburg gibt es bereits 11 FAIRTRADE-Gemeinden, die sich auf vielfältige Art und Weise für den fairen Handel stark machen. Die FAIRTRADE-Gemeinden in Salzburg werden im Rahmen der Klima- und Energiestrategie SALZBURG 2050 unterstützt. Derzeit arbeiten die Regionen Salzburger Seenland und Lungau an der Bildung einer gemeindeübergreifenden FAIRTRADE-Region. „Ich freue mich sehr, dass so viele Salzburgerinnen und Salzburger hinter FAIRTRADE stehen und so tatkräftig unterstützen. Jede und jeder von uns kann mit bewussten Kauf-Entscheidungen zu verbesserten Lebensbedingungen weltweit beitragen. Jeder Einkauf ist also auch eine politische Entscheidung, die wir tagtäglich treffen können.“ Zuletzt wurden gemeinsam mit der Universität Salzburg im Rahmen der Klima- und Energiestrategie SALZBURG 2050 Labormäntel aus FAIRTRADE-zertifizierter Baumwolle für den Laborbetrieb von den Studierenden und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern angeschafft. 

Appell zu Ostern  
„Mit diesem klaren Schritt in Richtung existenzsicherndes Einkommen wollen wir für Kleinbauernfamilien bessere Perspektiven schaffen und ein Leben oberhalb der Armutsgrenze ebnen“, betont Kirner. Ein ambitioniertes Zusammenwirken der Konsumentinnen und Konsumenten und aller Akteure im Kakaosektor ist dringend erforderlich, darin sind sich alle einig. „Wir sind zuversichtlich, dass unsere Wirtschaftspartner die Preiserhöhung mittragen und unsere Arbeit auch zukünftig unterstützen und ausbauen. Denn wer auch morgen noch Schokolade essen will, muss schon heute die Bauernfamilien angemessen bezahlen“, Kirner abschließend.   

„Es geht nicht um Almosen, sondern um eine fairere Bezahlung und damit eine bessere Zukunft für die Bauernfamilien. Gerade jetzt vor Ostern bietet sich wieder eine gute Gelegenheit beim Einkauf darauf zu achten, dass die Schokoeier und Schokohasen unter fairen Bedingungen hergestellt werden – ohne aus-beuterische Kinderarbeit, unter menschenwürdigen Arbeitsbedingungen, mit gerechten Preisen und Löh-nen“, so der gemeinsame Apell zum Schluss. 

1 True Price hat im Auftrag von Fairtrade International die Einkommenssituation von Kakaobäuerinnen und -bauern in der Elfenbeinküste untersucht und erstmalig umfangreiche Daten zum Haushaltseinkommen von ivorischen Kakaobauernfamilien erhoben. Zu finden unter: www.fairtrade.at/truePrice  
2 Fairtrade kann aus rechtlichen Gründen keine Preise für die Endkonsumenten vorgeben. Der Fairtrade-Mindestpreis gilt an der Stelle, an der eine Produzentenorganisation ihre Waren an den nächsten Abnehmer in der Lieferkette verkauft. Der Mindestpreis wird nicht als Anteil des endgültigen Einzelhandelspreises berechnet.


Fotos der Pressekonferenz finden Sie hier downloaden: 
https://www.salzburg.gv.at/presse/bilddatenbank-celum  

Fotos von Kakaobauernfamilien in den Ländern des Südens finden Sie hier:
https://www.fairtrade.at/newsroom/presse/pressebilder.html

Pressemappe zur Pressekonferenz am 11.04.2019 in Salzburg

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