Wie wirkt FAIRTRADE?

FAIRTRADE-Blumen stammen ausschließlich von Plantagen. Auf diesen FAIRTRADE-Plantagen werden die Blumen und Pflanzen nach klar definierten sozialen und ökologischen Standards gezüchtet, so dass völlige Transparenz und die Beteiligung der Arbeiterinnen und Arbeiter garantiert sind. Die vorgeschriebenen Sozialanforderungen beinhalten Vorgaben wie das Verbot von ausbeuterischer Kinderarbeit, die Zulassung einer eigenständigen und unabhängigen Vertretung der Beschäftigten und ein Diskriminierungsverbot. Auch die Löhne müssen gleich oder höher als der gesetzlich festgelegte Mindestlohn sein. Die Arbeitskräfte erhalten zudem die FAIRTRADE-Prämie für Projekte, die der sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Entwicklung der Gemeinschaft dienen. Die Entscheidung darüber, wie das Geld eingesetzt wird, erfolgt selbstbestimmt in einem demokratischen Prozess.

Wie ihr Einkauft wirkt

Seit dem Jahr 2005, als die ersten FAIRTRADE-Rosen auf den heimischen Markt gekommen sind, wurden 319 Millionen Blüten am Stiel verkauft. Somit wurden alleine in Österreich Direkteinnahmen für die Produzentenorganisationen in der Höhe von knapp 29 Millionen US-Dollar lukriert. Erfahren Sie untenstehend, wie ihr Einkauf zur schrittweisen Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen auf FAIRTRADE-zertifizierten Plantagen beiträgt!

Existenzsichernde Löhne als wichtiges Ziel

FAIRTRADE stärkt die Position der Beschäftigten auf Plantagen. Dazu zählen neben angemessenem Arbeitsschutz, Umweltkriterien, von denen auch die Menschen profitieren und dem Recht auf Versammlungsfreiheit auch die Löhne. 

Feste Arbeitsverträge, die auch Gewerkschaftsfreiheit, Mutterschutz und klare Arbeitszeitregelungen beinhalten, werden von FAIRTRADE vorausgesetzt. Dazu stärkt FAIRTRADE die Position der Arbeiterinnen und Arbeiter durch das explizite Recht zu kollektiven Lohnverhandlungen. So können sich die Beschäftigten organisieren und mit ihrem Arbeitgeber auf Augenhöhe verhandeln. In jedem Fall gilt: Das Grundeinkommen darf keinesfalls unter dem von der Weltbank festgelegten Betrag von 1,90 US-Dollar pro Tag fallen, der aktuell die internationale Armutsgrenze darstellt. Darüber hinaus sind in den FAIRTRADE Standards Rechte von Beschäftigten klar definiert, die auf konventionellen Farmen oft nicht gelten und passiv Auswirkung auf das Einkommen haben. Dazu zählt beispielsweise der Anspruch auf zumindest drei Wochen bezahlten Urlaub pro Jahr. Zudem müssen alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gegen Arbeitsunfälle versichert und mit benötigter Schutzkleidung ausgestattet werden. Die FAIRTRADE Standards werden auch regelmäßig überarbeitet und erweitert. So ist seit dem Vorjahr beispielsweise festgelegt, dass Blumenfarmen für Transport oder Unterbringung von Beschäftigten unentgeltlich aufkommen müssen, wenn der Weg zur Arbeit weiter als fünf Kilometer entfernt ist.

Mount Meru Flowers in Tansania

Die Blumenfarm Mount Meru im Norden Tansanias produziert FAIRTRADE-Rosen unter Einhaltung von hohen sozialen, ökonomischen und ökologischen Standards. Dank FAIRTRADE werden die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Arbeiterinnen und Arbeiter kontinuierlich verbessert. Durch den verstärkten Absatz von FAIRTRADE-Rosen steigen die FAIRTRADE-Prämien, wodurch wiederum mehr Geld für weitere Investitionen verfügbar ist. Im Rahmen der FAIRTRADE-Zertifizierung wurde die Ausstattung mit Schutz- und Arbeitsbekleidung deutlich verbessert.

Zusätzlich wurden die Rechte betreffend Schwangerschaft, Geburt und Karenz erweitert. Einrichtungen wie eine freie Kantine, Sanitär- und Wascheinrichtungen und eine freie ärztliche Versorgung schaffen einen guten Lebensstandard für die Arbeiterinnen und Arbeiter.

Bigot Flowers Kenia

Esther Juma ist eine 29-jährige, alleinerziehende Mutter von zwei kleinen Töchtern. Sie arbeitet in Kenia auf der Blumenfarm Bigot Flowers Limited, seit 2008 eine von 48 kenianischen FAIRTRADE-zertifizieren Blumenfarmen. Juma ist seit sechs Jahren im Betrieb und begann als Blumenpflückerin auf dem Feld. Ihre Eltern konnten sich keine Collegeausbildung für die Tochter leisten, doch 2015 belegte Esther Juma dank FAIRTRADE eine Weiterbildung. Sie machte ein IT-Diplom und bewarb sich für eine höhere Position innerhalb des Unternehmens. Jetzt arbeitet sie in der Produktionshalle und ist zuständig für das Zählen und Verpacken der Rosen. „Mein Leben hat sich dadurch direkt verbessert, mein Einkommen ist höher, und ich kann mich so auch mehr um meine Kinder kümmern“, sagt Juma. 

Die Rosen, deren Verpackung Esther Juma überwacht hat, stehen drei Tage später dann schon womöglich in einem österreichischen Supermarkt in der Nähe der Kassa. Die kleinen roten, so heißt es in der Sprache der Blumen, bedeuten „Danke für deine Liebe“. Die gelben signalisieren Dankbarkeit. Und ein bunter Strauß FAIRTRADE-Rosen macht einfach faire Freude.

Warum FAIRTRADE den Unterschied macht

FAIRTRADE ist ein ganzheitliches Konzept, das Beschäftigten auf Blumenplantagen eine Alternative bietet:

Die FAIRTRADE-Prämie

Den Preis für die FAIRTRADE-Blumen und -Pflanzen legt die Blumenfarm mit dem Importeur fest. Basierend auf diesem Preis wird die FAIRTRADE-Prämie von 10 % des FOB-Preises bzw. des Exportpreises erhoben. Das Prämienkomitee, bestehend aus Arbeitervertretern, entscheidet gemeinschaftlich über die Verwendung der Prämiengelder zum Wohle der Arbeiterinnen und Arbeiter, ihrer Familien und der gesamten Gemeinschaft.

"Umweltstandards" – Der Mensch im Mittelpunkt

FAIRTRADE-Blumen werden zwar in Gewächshäusern angebaut, doch durch die guten klimatischen Bedingungen in den Anbauländern müssen diese nicht künstlich beheizt werden. Zudem werden in der fairen Blumen- und Pflanzenproduktion Pestizide auf ein Minimum reduziert und der Einsatz von Nützlingen gefördert. Die Beschäftigten auf den FAIRTRADE-Plantagen erhalten neben angemessener Arbeitskleidung zusätzlich Schulungen, die den sicheren Umgang mit giftigen Pflanzenschutzmitteln lehren.

Faires Wassermanagement in der Rosenproduktion

Die Herstellung von Blumen erfordert den Einsatz von großen Wassermengen. Gerade in Ostafrika ist Wasser jedoch ein knappes Gut. Um das Problem der lokalen Wasserressourcen in den Griff zu bekommen, sind FAIRTRADE-Blumenfarmen aufgefordert, die Pflanzen so wassersparend wie möglich zu bewässern. Dies kann durch den Einsatz spezieller Bewässerungsanlagen (Tröpfchenbewässerung) oder einer Erde mit starker Speicherfähigkeit gewährleistet werden. Zudem werden Wasserreservoirs, große Wasserspeicher oder eine biologische Wasseraufbereitung verwendet. Der Bedarf an Wasser konnte so mittlerweile auf ca. 20 % der bisher benötigten Menge reduziert werden.

Der Co2-Fußabdruck und der Energieverbrauch einer Rose aus Kenia

Nicht nur die Distanz zum Verkaufsort ist ausschlaggebend für die CO2-Bilanz eines Produktes. Das Einfliegen der Rosen aus Kenia führt zwar zu höheren CO2-Emissionen beim Transport, aber Treibhäuser zu heizen ist für die CO2-Bilanz und den Energieverbrauch meist problematischer. Studien belegen, dass die CO2-Emission und der gesamte Energieverbrauch einer niederländischen Rose am Ende höher sind als der einer kenianischen Rose. Das liegt vor allem an den günstigen klimatischen Bedingungen für die Blumenproduktion in Kenia.