Kleinbauernfamilien

Stärkung der Organisationsstruktur für effiziente, nachhaltige Produktion

Faires Einkommen, faire Arbeitsbedingungen, faire Lebensumstände: Was für viele Menschen so selbstverständlich klingt, ist für die meisten Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in Afrika, Asien und Lateinamerika eher Wunschdenken als Realität. FAIRTRADE setzt sich für die Rechte dieser Bäuerinnen und Bauern ein, unterstützt sie durch gezielte Maßnahmen bei der nachhaltigen Sicherung ihrer Existenzgrundlage und festigt ihre Position auf dem Weltmarkt.

Kleinbäuerinnen und Kleinbauern - eine globale Perspektive

Kleinbäuerinnen und Kleinbauern stehen vor vielfältigen Herausforderungen:

Familienbetrieb - nächste Generation sieht in der Landwirtschaft keine Zukunft

Kleinbäuerliche Landwirtschaft wird oftmals von Familien betrieben, die ausschließlich oder überwiegend ihre eigene Arbeitskraft einsetzen. Dass die "nächste" Generation in der Landwirtschaft keine Zukunft sieht, ist für viele Regionen weltweit eine gravierende Herausforderung. Wer wird hier in Zukunft der Landwirtschaft vor- und nachgelagerte Arbeitsplätze erhalten, die Multifunktionalität der Kulturlandschaft erhalten sowie für Ernährungssicherung bzw.- souveränität sorgen?

Beratung und Förderung - es fehlt an finanzieller Unterstützung

In Industriestaaten werden landwirtschaftliche Betriebe oft finanziell und durch Beratungsleistung unterstützt. In den sogenannten Entwicklungsländern gibt es meist wenig bis keine finanzielle staatliche Unterstützung für die Landwirtschaft. Kleinbäuerliche Betriebe erhalten im Vergleich zu größeren Betrieben oft eine geringere finanzielle Unterstützung und können die oft teure spezialisierte Betriebsberatung kaum in Anspruch nehmen.

Selbstversorgung und die Auswirkungen schwankender Weltmarktpreise

Unabhängig davon, dass auch Kleinbetriebe intensiv für externe Märkte wirtschaften können, ist kleinbäuerliche Landwirtschaft in sogenannten Entwicklungsländern auch dadurch charakterisierbar, dass Produkte für lokale Märkte produziert werden. So wird die Ernährungssicherheit hergestellt.
Preisschwankungen in internationalen Agrarmärkten haben unmittelbare Auswirkungen auf lokale Märkte und Kleinbäuerinnen und -bauern, etwa wenn billige ausländische, oft über Exportsubventionen gestützte Produkte mit jenen von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern am lokalen Markt in Wettbewerb stehen oder diese lokalen Produkte auf Grund des günstigeren Preises sogar verdrängen und die Produzentinnen und Produzenten in Hunger, Armut und Migration treiben.

Hunger

Trotz des wichtigen Beitrags von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern für die Ernährungssicherung leben ca. 800 Millionen der fast einer Milliarde Hungernden auf dem Land. Obwohl sie selbst den überwiegenden Teil der Nahrungsmittel herstellen, sind die Hälfte der Hungernden Kleinbäuerinnen und Kleinbauern. Die unzureichende Absicherung des Landbesitzes, Diskriminierung von Frauen (Bäuerinnen), die politische Marginalisierung des ländlichen Raums, für Kleinbäuerinnen und Kleinbauern nachteilige Weltmarktpreise und Bodenzerstörung durch chemisch intensive konventionelle Landwirtschaft sind einige Ursachen hierfür.

Landbesitz

Kleinbäuerinnen und Kleinbauern sind oft in Landkonflikte involviert, entweder weil sie als Landbesetzer (brach liegende) Flächen von "Großgrundbesitzern" bewirtschaften, oder weil das von ihnen genutzte Land rechtlich nicht abgesichert ist, der Landbesitz in Frage gestellt oder sie vertrieben werden. Zuletzt wird immer wieder vom so genannten land grabbing berichtet, also der gezielten Vertreibung von Menschen von ihrem Land um - teils staatlich gefördert - auf diesen Flächen die Pläne einer intensiven Landwirtschaft (oft ausländischer kapitalkräftiger) Investoren umsetzen zu können.

Marginalisierung in der internationalen Debatte

Oftmals werden Kleinbäuerinnen und Kleinbauern nicht nur in ihrer unmittelbaren Lebensumwelt, sondern auch national und international unzureichend vertreten. Während sich Unternehmen und ihnen nahe stehende Politiker sowie Großgrundbesitzer auf Grund ihrer wirtschaftlichen Potenz rechtliche Beratung und Einfluss sichern, bzw. erkaufen können, sowie massiv Lobbying für ihre Anliegen betreiben, ist dies für Kleinbäuerinnen und Kleinbauern kaum möglich.

Kleinbauernkooperativen im FAIRTRADE-System

Ein wichtiger Bestandteil der neuen Strategie von Fairtrade International 2016 - 2020 ist insbesondere die Stärkung der Kleinbäuerinnen und Kleinbauern, denn diese benötigen vielerorts mehr Unterstützung, um den vielen Herausforderungen begegnen zu können. Kleinbäuerinnen und Kleinbauern machen mit 86% den größten Teil der FAIRTRADE-Produzenten aus.

Kleinbauernkooperativen - zusammen mehr erreichen

Der Zusammenschluss zu Kleinbauernkooperativen ist für Bäuerinnen und Bauern in den sogenannten Entwicklungsländern von besonderer Bedeutung und bietet zahlreiche Vorteile. Mitglieder von Kooperativen haben grundsätzlich eine stärkere Verhandlungsposition gegenüber multinationalen Konzernen, was ihnen den Zugang zu nationalen und internationalen Märkten erleichtert. Sie profitieren außerdem von der Unterstützung in Form von Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten zu Produktqualität und Ertragssteigerung. Den Mitgliedern wird auch der Zugang zu Krediten erleichtert.

FAIRTRADE-Standards: Ökonomisch - Sozial - Ökonomisch

Der FAIRTRADE-Standard für Kleinbauernorganisationen schreibt vor, wie die Kleinbauernfamilien sich organisieren, wie sie anbauen und mit ihrer Ware handeln:

  • Die Kleinbauern-Kooperativen müssen demokratisch organisiert sein.
  • Der Erlös muss gleichberechtigt unter den Mitgliedern verteilt werden.
  • Jedem Mitglied muss es möglich sein, an Entscheidungsprozessen innerhalb der Organisation mitzuwirken.
  • Vorfinanzierung: Bis zu 60% der vertraglich vereinbarten Abnahmemenge muss bei Bedarf durch den Aufkäufer vorfinanziert werden.
  • Die Kleinbauernorganisationen bekommen für ihre Ware einen festgelegten Mindestpreis, falls der aktuelle Weltmarktpreis darunter liegt
  • Die Kleinbauernorganisationen erhalten eine FAIRTRADE-Prämie, über deren Verwendung sie demokratisch entscheiden, und die in die Gemeinschaft investiert werden muss